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Bustour 2016

Hier dokumentierten wir unsere Bustour 2016. Vom 25.7.-14.8.2016 waren wir quer durch Deutschland unterwegs. WIR WERDEN IMMER LAUTER! Bilder finden sich im englischsprachigen Bereich.

Samstag 13.8.: Berlin

Der letzte Tag unserer Bustour begann mit einer Kundgebung am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg. Die Frauen* aus unserer Gruppe und den Gruppen, die uns wilkommen hießen, hielten starke und bewegende Reden. Dann führten die Madalenas Berlin ein Forum Theaterstück auf und abschließend liefen wir als Demonstration zum Mariannenplatz. Der Tag war wie eine Rückkehr nach Hause für uns, da unsere Kämpfe stark mit dem Oranienplatz/Refugee Movement Berlin und dem besetzten Haus im Bethanien, wo unsere monatlichen Treffen stattfinden, verknüpft sind. Im Bethanien angekommen aßen wir fantastisches Essen, zeigten unseren Film und tanzten bei der abschließenden Party. Herzlichen Dank an alle Leute, die uns in Berlin empfangen haben, vor allem an SUSI Interkulturelles Frauenzentrun, Wagenplatz Kanal, Internal Women’s Space, Madalenas Berlin und all die anderen Gruppen und Einzelpersonen!

Friday, 12.8.: Potsdam

Da es in Hamburg kalt, regnerisch und stressig war, kamen wir sehr müde in Potsdam an. Glücklicherweise stießen viele Frauen, die wir während der Tour getroffen hatten, in Potsdam wieder zu uns und gaben der Gruppe frische Energie. Wir nahmen an einer Kundgebung in der Innenstadt teil und zeigten unseren Film.

Mittwoch, 10.8. and Donnerstag, 11.8.: Hamburg

Wie in allen Bundesländern, durch die wir fuhren, wurden wir auch in Hamburg wärmstens empfangen. Nach dem Mittagessen teilten wir uns in zwei Gruppen, um Lager zu besuchen und dort mit Frauen* zu spechen und sie zu unserem Workshop am nächsten Tag einzuladen. Am nächsten Morgen besuchten wir vier weitere Lager. Schließlich kamen dank unserer Fahrerinnen und der Unterstützer_innen in Hamburg mehr als 100 Frauen zu unserem Treffen. Schnell war klar, dass eins der größten Probleme der Hunger war. Die Frauen und Kinder waren zu hungrig, um sich im Wokshop konzentrieren zu können. Monatelang wurde ihnen nicht genug Essen gegeben. Die “Notunterkünfte” (= schrecklichste Containerlager) sind nicht zum langfristigen Wohnen vorgesehen. Genauso wie das abgepackte Essen von schlechter Qualität.

Da so viele Frauen am Workshop teilnehmen wollten und wir feststellen mussten, dass wir nicht die Kapazitäten dafür hatten, entschieden wir uns, nur eine kurze Präsentation zu machen und dann gemeinsam zu diskutieren, wo und wie Information und Hilfe für einige wenige der vielen Probleme von Flüchtlingsfrauen zu finden sind. Wir konnten in so vielen Bundesländern und Städten geflüchtete Frauen und Einzelpersonen und Gruppen, die geflüchtete Menschen unterstützen, zusammenbringen. Wir hoffen, dass alle Seiten diese neuen Netzwerke nutzen, um zusammenzukommen und mehr geflüchtete Frauen zu motivieren, sich dem Kampf für Menschenrechte und ihre Rechte als Frauen anzuschließen.

Während unserer Abschiedsrunde in Hamburg stellten wir fest, dass wir am selben Tag schon in Potsdam und am nächsten in Berlin ankommen würden. Das bedeutete, dass unserer Tour fast vorbei war und wir (die Frauen*, die unterwegs waren) waren etwas traurig darüber. Drei Wochen lang hatten wir eng zusammen gelebt und gearbeitet. Wenn wir die Energie haben, können wir uns jedoch noch absprechen, wie wir weitermachen wollen, genauso wie die Gruppen in all den Städten, durch die wir gefahren sind. Zusammen haben wir es geschafft, so viele Frauen* zusammenzubringen!

Montag, 8.8. + Dienstag, 9.8.: Bremen

In Bremen kamen wir an einem wolkigen, kalten Tag an, wurden aber in einem Park warm von geflüchteten Frauen und Unterstützerinnen mit Essen und Getränken empfangen. Nachdem wir zusammen einige Lager besucht hatten, luden wir die Frauen dort ein, mit uns unseren Dokumentarfilm anzuschauen. In einem Lager, das wir besuchten, sind nur alleinstehende schwangere Frauen untergebracht. Dort sollen sie angeblich spezielle Betreuung bekommen, aber das Gegenteil passiert: Sie bekommen kein ausreichendes oder abwechslungsreiches Essen und nur sehr wenig Taschengeld. Für die neugeborenen Babys bekommen sie nur drei Windeln am Tag. Uns wurde erzählt, dass die meisten Neugeborenen wunde Popos haben, da Baby-Verdauung nicht vom Sozialamt reguliert werden kann.

Am Abend aßen wir zusammen und zeigten unseren Dokumentationsfilm. Mehr als 100 Menschen kamen zu der Veranstaltung. Am nächsten Morgen trafen wir uns mit Flüchtlingsfrauen aus Bremen und machten einen Empowerment-Workshop. Die Frauen freuten sich, zu erfahren, dass es Dinge gibt, die sie selbst in die Hand nehmen können, wenn sie die richtigen Kontakte haben. Nach dem Workshop und einem Mittagessen, hielten wir mit Gruppen aus Bremen zusammen eine Kundgebung am Goethe Theaterplatz ab. Es gab ein open microphone und Redebeiträge von verschiedenen Gruppen. Eine wundervolle Trans*frau hielt eine Rede gegen Diskriminierung. Sie entschloss sich abends, mit unserer Bustour bis Hamburg mitzufahren und unterstützte dort unsere Workshops als Moderatorin und Übersetzerin für Arabisch.

Sonntag, 7.8.:Witzenhausen

Den näcshten Tag verbrachten wir in Witzenhausen. Auf unserem Weg machten wir Halt in Eichenberg. Circa zehn Frauen, die dort in einem kleinen, isolierten Heim, das 10 km vom nächsten Bahnhof entfernt ist, kamen für den Tag mit uns mit. Zwei der Frauen, die dort leben, sind seit unserem ersten bundesweiten Treffen, dass wir als “Women in Exile and Friends” in Göttingen veranstalteten, mit und in Kontakt und befreundet. Wir freuen uns außerdem, dass wir nach wie vor enge (Arbeits-)beziehungen mit unseren solidarischen Unterstützer_innen in Göttingen und den Flüchtlingsfrauen im Umland haben. Nachdem wir frisch gebackenes Brot von Frauen verschiedener Nationalitäten genossen hatten, fuhren wir gemeinsam weiter nach Witzenhausen.

In Witzenhausen wurden wir vom AK Asyl und Flüchtlingsfrauen aus der Umgebung empfangen. Nach einem Mittagessen hatten wir eine offene Diskussionsrunde mit 70-80 geflüchteten Frauen. Die erzählten uns vonihren verschiedenen Problemen, zum Beispiel den Schwierigkeiten, in der Gegend eine Wohnung zu finden, der fehlenden Privatsphäre und geteilten Badezimmern. Besonderse Schwierigkeiten bereitet ihnen der lange Weg zur Küche auf der anderen Flurseite, wenn sie ihre kleinen Babys imallein im Zimmer lassen müssen, um dort zu kochen. Außerdem sprachen die Frauen über fehlende Internetanbindung. Kostenloses Internet ist wichtig für die Frauen, um mit ihrer Familie und ihren Freunden in Kontakt bleiben zu können. Nach der Diskussion gingen circa 50 von uns hinunter zum Marktplatz, wo eine Kundgebung stattfand und verschiedene Frauen die Möglichkeit ergriffen, am offenen Mikrophon über ihre Situation zu berichten. Während der Kundgebung brachten die Unterstützer_innen und Freun_innen aus Witzenhausen Kaffee und verschiedene Kuchen. So verbrachten wir den ganzen Tag zusammen.

Samstag, 6.8.: Göttingen

Wie immer wurden wir in Göttingen von unseren Freund_innen in der OM10 herzlichst empfangen. OM10 ist ein Haus, das seit letztem November besetzt ist, um Wohnraum in der Innenstadt zu schaffen. Für diese gute Arbeit wurde die ganze Gruppe für den Taz Panther Preis nominiert. Bitte, wählt hier für sie, um ihr Projekt zu unterstützen. Nach einem leckeren Essen aus unterschiedlichen Ländern, kamen wir für ein kleines Plenum zusammen. Wir beschlossen, uns in zwei Gruppen aufzuteilen. Eine Gruppe von ca. 20 Frauen machte einen Empowerment Workshop, die anderen besuchten das Heim auf der Siekhöhe, einem alten Lebensmittel-Lager.
Freitag, 5.8.: Bielefeld

In Bielefeld wurden wir von Flüchtlingsfrauen und dem AK Asyl mit offenen Armen und leckerem afghanischen Essen empfangen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen gingen wir zusammen zu einem Frauenzentrum, wo wir mehr geflüchtete Frauen aus Bielefeld und Umgebung trafen. Zusammen sahen wir unseren Dokumentationsfilm und hatten einen Workshop mit 40-50 Frauen, in dem es um Themen rund um Gesundheit ging. In kleinen Arbeitsgruppen diskutierten wir über Kindergesundheit, Frauengesundheit, was es bedeutet, im Lager krank zu sein und das Gesundheitssystem/Versicherungskarte. Um einen kleinen Eindruck aus dem Workshop abzubilde, wollen wir hier noch einmal klarstellen, dass wieder einmal deutlich wurde, dass Übersetzung für den Gesundheitsbereich sehr wichtig ist. Einige Frauen erzählten im Workshop von ihrem Eindruck, wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht adäquat behandelt worden zu sein, weil die Ärzt_innen sie nicht richtig verstanden hatten. Vor allem Frauen, die in kleinen Dörfern außerhalb von Bielefeld leben, berichteten, dass sie immer nur Schmerzmittel verschrieben bekommen, ganz egal mit welchem Anliegen sie die Arztpraxis aufsuchen. Eine andere Frage, die aufkam, betraf die Gesundheitskarte, da es für die Frauen schwierig ist, im Sozialamt einen Krankenschein zu bekommen, wenn sie krank sind. Einige Frauen berichteten von den Problemen auf dem Sozialamt und dass sie sich dort sehr ungern hingehen. Die Beamt_innen fragen sie viele Fragen und am Ende entscheiden unqualifizierte Personen darüber, ob sie krank genug sind, um einen Krankenschein zu bekommen und zum Arzt gehen zu dürfen oder nicht. Einige berichteten auch, dass sie dort mehrfach gefragt wurden, warum sie schwanger geworden seien.

Nach unserem Workshop sprach uns eine Flüchtlingsfrau an, die im Internet über unsere Bustour gelesen hatte und sich für unsere politische Arbeit interessierte. Sie nahm am Workshop teil und fragte, ob sie bei der Bustour mitfahren könne. Seit jenem Tag arbeiten wir zusammen und wissen ihre Anwesenheit und ihre Unterstützung bei Übersetzung, Moderation und anderen Aufgaben während der Tour zu schätzen. Wir hoffen, dass wir voneinander lernen und weiter zusammen arbeiten. Wir hoffen, dass unsere neue Freundin nach der Bustour andere Flüchtlignsfrauen in Bielefeld zur Zusammenarbeit motiviert und sie in Bielefeld ihre eigene lokale Initiative aufbauen. Der Tag in Bielefeld endete entspannt und mit einer großartigen Party im Frauenzentrum FRAZE.

Donnerstag 4.8.: Osnabrück

In Osnabrück wurden wir wärmstens von unseren Freund_innen von „No Lager Osnabrück“ empfangen. Wir aßen gemeinsam zu Mittag und fuhren zu drei verschiedenen Lagern, darunter auch zum Lager in Bramsche, um sie zu zwei Workshops in die SubstAnZ einzuladen. Wir machten einen Empowerment-Workshop für geflüchtete Frauen und einen für Unterstützer_innen und männliche Geflüchtete. Im Empowerment-Workshop fanden wir heraus, dass das großte Problem für Frauen aus den Lagern außerhalb der Stand der Zugang zu Informationen ist. Dies gilt speziell für die, die in Bramsche leben. Es war überraschend für uns, zu realisieren, dass es sehr wenig Kontakte von lokalen Strukturen zu geflüchteten Frauen gibt. Und das, obwohl es aktive lokale Strukturen von (männlichen) refugees und Unterstützer_innen gibt, die seit Jahren gegen Abschiebung und das Lager-System kämpfen. Es stellte sich heraus, dass manche der Frauen im Workshop erst kürzlich in Deutschland angekommen waren, während andere schon jahrelang in Lagern gelebt hatten. Wir freuen uns, dass unser Workshop vielleicht ein erster Schritt in Richtung besserer Kommunikation war und daraus neue Netzwerke entstehen können.

In Anbetracht des ersten Workshops war es ein glücklicher Zufall, dass es im zweiten Workshop darum ging, die politischen Strukturen in Osnabrück zu reflektieren. Wir diskutieren, auf welche Art und Weise die lokalen Strukturen verändert werden könnten, um sie offener und zugänglicher für geflüchtete Frauen zu machen. Während und nach dem Workshop realisierten wir aber auch, wie wichtig es für uns ist, uns als Frauen*gruppe zu organisieren, denn so können wir definieren, wae “politische Arbeit” bedeutet, was “Aktivismus” heißt und mit welchen Forderungen wir an die Öffentlichkeit treten. Für die geflüchteten Männer schien es sehr schwierig zu sein, die eigenen Strukturen so zu verbessern, dass geflüchtete Frauen als Aktivistinnen darin vorkommen können. Nach den Workshops zeigten wir passenderweise unseren Dokumentarfilm, in dem es um Flüchtlingsfrauen-Aktivistinnen geht.

Mittwoch, 3.8.: Köln

Am 2. Tag in Köln haben wir einen empowernden Workshop organisiert. Mehr als 50 geflüchtete Frauen nahmen teil. Trotz Schwierigkeiten mit Übersetzung und Geduld teilten die Frauen ihre Probleme und gemeinsam entwickelten wir Lösungsstrategien. Eine Frau, die in einer Turnhalle lebt, ist klaustrophobisch und erzählte uns, dass sie mindestens einmal täglich ohnmächtig wird, weil sie mit so vielen Menschen auf engem Raum nicht klarkommt. Wir wünschten uns ihr beizustehen und uns um ihr Problem zu kümmern, denn sie erzählte, es kümmere niemanden. Eine Mutter erzählte, der Arzt riet ihr, ihr an Infektionen leidendes Kind nicht mehr auf die Toiletten im Lager zu schicken. Aber wo soll das Kind denn dann zur Toilette gehen? Es ist schwer unsere Gefühle in den Workshops zu beschreiben. Wir weinen zusammen über die Probleme und schwierigen Situationen, denen wir, unsere Schwestern und unsere FreundInnen uns stellen. Und gleichzeitig ist zusammen zu sitzen, darüber zu reden, sich gegenseitig Kraft und Rat zu geben sehr ermutigen und der erste Schritt in Richtung Veränderung. In Köln kamen wir also nun auf folgenende Forderungen:

  • Wir brauchen Solidarität unter uns Frauen
  • Wir brauchen eine ordentliche medizinische Versorgung für alle.
  • Keine Abschiebungen und Residenzpflicht
  • Deutschkurse für alle
  • Wir brauchen ÜbersetzerInnen und Wohnungen
  • Wir brauchen sofortige Familienzusammenführung und nicht erst nach einem 3-jährigen Aufenthalt in Deutschland.

Montag, 1.8.: Frankfurt/ Oberursel

In Oberursel trafen wir uns mit mehr als 50 geflüchteten Frauen auf Frankfurt am Main und Umgebung. Nach einem Empowerment Workshop und Diskussion, bemerkten wir, dass alle der Frauen die gleichen Probleme erfuhren. So wie in Leipzig und Nürnberg, sind die dringensten Sorgen die Unterbringung, Wartezeiten von mehr als 8 Monaten in Turnhallen auf die Anhörung, institutioneller Rassismus und auch der Rassismus in diesen verschiedenen Lagern unter den Geflüchteten selbst. Nach dem Workshop besuchten wir das alte Container Heim in Oberursel und stellten fest, dass ein Teil davon abgerissen worden ist. Die Ironie an der Geschichte ist, dass an gleicher Stelle neue sogenannte „Wohnmodule“ errichtet werden, sodass die Geflüchteten dorthin verlegt werden können. In der Umgebung stehen einige neue Gebäude leer, in denen geflüchtet Familien untergebracht werden könnten.

Das Feedback der Städte ist unglaublich, sowohl von den organisierenden Gruppen und Einzelpersonen, als auch von den geflüchteten Frauen. Die Gruppen und Einzelnen sind froh über Vernetzung und mit Partnern arbeiten zu können, wozu sie lange nicht die Möglichkeit hatten. Wir hoffen, dass siese Tour Netzwerke reaktivieren kann und auch ein Netzwerk geflüchteter Frauen aufbauen kann.

Dienstag, 2.8.: Köln

Es war verregnet in Köln. Als wir Frankfurt verließen regnete es und es regnete noch immer, als wir ankamen. Aber trotz des Regens waren die Leute in Köln sehr einladend und gut vorbereitet. Viele geflüchtete Frauen und UnterstützerInnen erwarteten uns bereits. Nach einem gemeinsamen Tee gingen wir die Frauen zu unserem Workshop am nächsten Tag einladen. Viele Frauen waren motiviert zu kommen, doch der Sicherheitsdienst versuchte den Kontakt zu uns zu verhindern. Wir besuchten auch das Lager, das im Januar bekannt wurde. Die geflüchteten Frauen von dort schrieben einen öffentlichen Brief, in dem sie sich über sexuelle Belästigung und versuchte Vergewaltigung durch die Securitys beschwerten. Es war uns unmöglich mit den Frauen zu sprechen, denn die männlichen Geflüchteten und die Securitys wollten uns nicht lassen. Anscheinend versucht die Heimleitung Probleme zu schaffen. Wir mussten schreckliche Geschichten hören: Die Heimleitung steckte Menschen, die sich bekannterweise hassten, in das selbe Zimmer. Einer Frau wurde gedroht in ein Lager mit noch schlimmeren Begebenheiten verlegt zu werden, falls sie sich beschweren sollte. Wir wurden Zeuginnen der Angst und Konflikte, die die Administration und die Securitys in den Geflüchteten auslösen. Es gibt nur ein paar wenige „Energie-Inseln“ in der Halle, um Handys aufzuladen. Verlängerungskabel vwerden vom Sicherheitspersonal weggenommen. Die Leitung nahm auch einige elektronischen Geräte in Beschlag, da sie nicht EU-Standart entsprachen. Aber eine Sporthalle mit mehreren hundert Menschen belegt, das ist EU-Standart?! Es ist nicht erlaubt Essen mit in die Halle zu nehmen. Also gehen mache Frauen nachts zum Kochen in den nahegelegenen Wald. So können sie immerhin ihre Kinder mit selbstgekochtem versorgen.

Dienstag, 26.7., Halle/Saale

In der Nähe von Halle haben wir das Lager in Marke besucht.

Die Mitarbeiter des Lagers verwehrten uns, das Lager zu betreten, obgleich wir eine Bewohnerin besuchen wollten, die wir kennen. Sie könnten Besuche nur erlauben, wenn ihnen die Identitätspapiere ausgehändigt würden.

Die Leute, die diese Lager betreiben und ihre Mitarbeiter_innen behandeln Flüchtlinge wie Gefangene. Sie geben nur vor, sie schützen zu wollen!

Wir haben kein Problem damit, unsere Papiere vorzuzeigen, sie können ihnen alle Informationen entnehmen, doch haben sie kein Recht unsere Papiere „einzuziehen“.

Das Lager ist von Ortschaften weit entfernt „in the middle of nowhere“, im Nirgendwo platziert.

Es gibt zudem nur eine einzige Küche im ersten Stock. Bewohner_innen aller Etagen gehen dorthin, um sie zu nutzen. Doch sind die meisten Kochstellen mit schwarzem Band markiert, dem Hinweis, dass sie nicht funktionieren. Um etwas einzukaufen muss man mit dem Regionalzug fahren, vor Ort gibt es keinerlei Gelegenheit, sich mit dem Notwendigen zu versorgen.

Mittwoch, 27.7., Halle/Saale

Wir haben mit 30 Flüchtlingen aus Sachsen-Anhalt ein Seminar über Gesundheitsthemen abgehalten: Was bedeutet das „Asylbewerberleistungsgesetz“ speziell für Flüchtlingsfrauen?

Wie leiden sie unter den rassistischen Gesetzen? Welche Informationen, die sie zum Überleben brauchen, werden ihnen vorenthalten?

Gemeinsam haben wir Strategien diskutiert. Welche langfristigen Ziele haben wir? Wie können wir im Alltag solidarisch zusammen leben?

In der Pause gab es leckeres afrikanisches und iranisches Essen, zubereitet von der Flüchtlingsfrauengruppe aus Halle.

Dankeschön!

Montag, 25.7., von Berlin nach Potzehne

Wir starteten unsere Bustour um 11.00 am Berliner Bahnhof Südkreuz, die Frauen aus den unterschiedlichen Regionen Brandenburgs trafen ein. Drei Frauen mussten leider in letzter Minute absagen. Sie hatten sehr kurzfristig Termine bei der Ausländerbehörde erhalten, waren gezwungen, dort über ihre Fälle zu berichten. Unser erster Halt war Potzehne bei Magdeburg, das antimilitaristische Camp „War Starts Here“ findet eine Woche lang in der Nähe der NATO-Trainingsbasis statt. Soldaten werden auf der Trainingsbasis ausgebildet und anschließend zu Einsätzen in Länder wie Afghanistan, Mali etc. entsendet. Das Gelände wird seit 1930 für militärische Übungen genutzt, zuerst von den Nazis, während des Kalten Krieges von Russland. Seit den 90er Jahren protestieren antimilitaristische Gruppen gegen die Kriegsvorbereitungen; sie hatten Erfolg, Übungen mit Bomben wurden in Deutschland gestoppt. Das zentrale Thema dieses Jahr war „Krieg verursacht Migration“, eine Analyse, der wir zustimmen können. Der erste Tag unserer Tour war auch der Tag der Eröffnung des antimilitaristischen Camps. Es war eine strategische Entscheidung, hier die erste Diskussion und den ersten Workshop abzuhalten: Auch wenn nicht alle Flüchtlinge unmittelbar vor Krieg fliehen, so sind doch alle mit Flucht verbundenen Fragen hiermit verknüpft.

Wie sich Krieg sowie ökonomische und politische Entwicklungen auf Migration auswirken, war in unserem Workshop Thema.

Wir sprachen auch sehr detailliert über die Probleme von Flüchtlingen, die hier Asyl beantragen: Rassismus, Diskriminierung, Aufspaltung in gute und schlechte Flüchtlinge, Deportation, Einschränkung der Bewegungsfreiheit wie „Residenzpflicht“ etc..

Wir erzählten weshalb es für uns wichtig war, eine Frauenflüchtlingsgruppe zu gründen, wieso Frauen und Kinder raus aus den Lagern müssen und alle Lager abgeschafft gehören.

Wir erklärten wie Frauen doppelt diskriminiert werden, was die Bedingungen in den Lagern, das Fehlen jeglicher Privatsphäre, und die weit verbreitete physische uns sexualisierte Gewalt für ihr Leben bedeuten. Der Workshop war um 19 Uhr zu Ende, eine Stunde später brachen wir auf, um zu unserer Unterkunft nach Halle zu fahren, die Kinder waren müde. Nach wenigen Kilometern kamen wir an einem Polizeiwagen vorbei, er hatte uns schon in der Nähe des Camps überholt, nun stand er am Straßenrand. Als wir vorbeifuhren, signalisierte uns die Polizei anzuhalten. Wir hielten an, auch unser zweiter Bus stoppte, um zu erfahren, was das Problem war. So begann eine Polizeikontrolle, die zwei Stunden lang dauerte; eine jede Person wurde gezwungen, ihre Papiere vorzuzeigen. Der Polizei waren die beiden kleinen Kinder, die wir bei uns hatten, egal. Sie waren bereits müde, das grelle Blitzlicht der Polizeiautos störte sie sehr.

Einige Leute aus dem antimilitaristischen Camp kamen zu uns, sie hatten erfahren, was mit uns geschah, doch wurde ihnen verboten, mit uns in Kontakt zu gehen. Was hier geschehe, sei nicht ihre Angelegenheit.

Dieser Vorfall hat einigen Angst gemacht – besonders jenen, die erst kurz bei uns sind. Wir hoffen, dass sie durch das Erlebte stärker werden und weiter kämpfen können.

Es gibt geteilte Bewertungen des Vorfalls, manche bezeichnen ihn als rassistisch motivierte Polizeikontrolle, die Busse mit weißen Menschen wohl nicht betroffen hätte, andere rechtfertigen das Vorgehen der Polizei mit terroristischen Vorkommnissen.

Was auch immer es war, wir haben überlebt!