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Dankeschön-Brief

Liebe Freund_innen, Unterstützer_innen und alle Interessierten,

das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu und wie für die meisten Menschen und Organisationen brachte es auch für uns viele Veränderungen, Herausforderungen und Chancen.

Es war ganz anders als andere Jahre, aber durch unseren Mut und Ihre & Eure große Unterstützung und Solidarität konnten und können wir uns den Herausforderungen erfolgreich stellen.

Das Jahr begann für uns großartig und dank Ihrer & Eurer Hilfe konnten wir unseren sicheren Raum für geflüchtete Frauen* in der Hermannstr. 22 eröffnen. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen, die dazu beigetragen haben, dass dies möglich wurde.

Besonders in diesem Jahr war er unser Zufluchtsort, unsere Zentrale, ein Raum, um uns nach den jeweils geltenden Regelungen zu organisieren und für die Rechte von Flüchtlingsfrauen zu kämpfen. Zwar mussten die meisten unserer Treffen online oder in anderen größeren Räumen stattfinden, aber unsere Arbeit ist trotzdem weitergegangen.

Es war hart, dass wir die Frauen in den Lagern nicht besuchen konnten (denn Besucher_innen sind seit März verboten), aber wir bekamen einige Einblicke in die Situation in Lagern per Video: https://www.youtube.com/watch?v=tuA09OPqS18

Da es für die Frauen sehr schwierig war und ist, heraus zu kommen, haben wir online viel organisiert, um die Isolation zu durchbrechen und niemanden zurück zu lassen. Statt der Kostenerstattung von Tickets bezahlten wir Internetkarten für die Frauen, besonders für die, die in den Lagern ohne oder mit sehr schlechtem Internetzugang leben, damit sie an unseren monatlichen Treffen online teilnehmen konnten.

Während der Lockdown-Periode war und ist ihr Leben noch schwieriger, weil die Bewegung oft auf das Lagergelände beschränkt war, was uns dazu veranlasste, den #tag „Social Distance ist ein Privileg“ zu starten. Dieses Jahr hat gezeigt, dass es unmöglich ist, die physischen Distanzregeln in den Camps einzuhalten und wie gefährlich das ist.

Gerade in dieser schwierigen Zeit war die Fortführung unserer Arbeit und die Verbindung mit den Frauen wichtig. Neben den Online-Treffen und vielen Telefon- und Videotelefonaten hatten wir auch sehr erfolgreiche Workshops mit Flüchtlingsfrauen, z.B. zu den Covid-19-Regeln, zum Zugang zum Arbeitsmarkt, zu Asylgesetzen, zur reproduktiven Gesundheit, zur Erstellung eines Banners, zur Gestaltung von Flyern.

Im Sommer organisieren wir normalerweise eine größere Aktion mit unserem bundesweiten Netzwerk von Flüchtlingsfrauen. Dieses Jahr machten wir eine Tour durch Brandenburg und besuchten Flüchtlingsfrauen vor den Lagern in Doberlug-Kirchhain und in Wünsdorf, um unsere Solidarität zu zeigen. Wir organisierten Open-Air-Picknicks vor den beiden Lagern, wobei wir die Abstände einhielten und die Masken trugen.

Ein weiterer Höhepunkt war, dass eine kleine Delegation von uns am 2. Feminist Connect Camp in Hamburg teilnehmen konnte, einem Treffen von verschiedenen Flüchtlingsfrauenaktivistinnen.

Auch die Vorstellung unseres Gesundheitsmagazins war großartig. Das Magazin beinhaltet unsere Arbeit zu Gesundheitsthemen von Flüchtlingsfrauen aus den letzten drei Jahren. Wir freuen uns, dass wir es online oder in gedruckter Form teilen können: https://www.women-in-exile.net/en/health-magazine/

Neben der Pandemie ging für uns die rassistische und sexistische Gewalt und Ungerechtigkeiten weiter – Schweigen ist also keine Option für uns!

Wir waren auf der Straße und haben unser Grundrecht auf Demonstration wahrgenommen. Wir forderten Gerechtigkeit für Oury Jalloh,

erinnerten an die ermordeten Menschen des rassistischen Angriffs in Hanau,

waren als Black Lives Matter-Bewegung sichtbar waren laut in Solidarität mit den Flüchtlingen in Moria,

kämpften gemeinsam für Geschlechtergerechtigkeit am 8. März, und wiesen immer wieder darauf hin, dass Lager keine sichereren Orte für Frauen* und Kinder sind – zuletzt am 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen https://www.women-in-exile.net/gefluechtete-frauen-in-erstaufnahmelagern-flucht-vor-gewalt-in-gewalt/

Wir danken allen beteiligten Netzwerken, Bewegungen und Einzelpersonen, die uns Kraft geben.

Die Situation in Griechenland, insbesondere in Moria und die Ausbreitung der Corona-Pandemie in den Lagern hat uns auch in diesem Jahr wieder gezeigt, dass die Massenunterkünfte aufgelöst werden müssen und die Menschen unter menschenwürdigen Bedingungen untergebracht werden sollten. Wir haben aber auch deutlich gesehen, dass nicht nur Covid-19, sondern auch sexuelle Belästigung und andere Gewalt das Leben von Flüchtlingsfrauen in den Lagern gefährdet.

Am 07.04.2020 war der erste Jahrestag des Verschwindens unserer Schwester Rita. Jetzt, wo wir wissen, dass ihre Leiche verkohlt aufgefunden wurde und wir damit rechnen müssen, dass ihr Fall im April von der Staatsanwaltschaft geschlossen wird, fordern wir weiterhin Antworten und Gerechtigkeit.

Für das nächste Jahr 2021 setzen wir diese Kämpfe fort und dafür brauchen wir vor allem weiterhin unseren eigenen sicheren Raum. Damit wir ihn behalten können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Wir freuen uns über jede Unterstützung und jede Spende auf unser Bankkonto oder über betterplace: https://www.betterplace.org/de/projects/88115-spenden-um-uns-zu-helfen-unseren-eigenen-safer-space-zu-bewahren

Im Namen von uns allen bei Women in Exile & Friends danken wir Ihnen& Euch nochmals für Ihre Solidarität und Ihre Unterstützung. Es bedeutet uns sehr viel.

Alles Gute für Sie & Euch, sowie Ihre Lieben,

bleiben Sie gesund und warm und kommen Sie gut durch die Pandemie-Zeit.

Mit herzlichen Grüßen,

Women in Exile & Freunde

PS.: Für alle, die uns in diesem Jahr unterstützt haben und eine Spendenbescheinigung wünschen – wenn Sie uns Ihre Adresse gegeben haben, werden wir Ihnen diesen Anfang nächsten Jahres zusenden. Wenn Sie eine Spendenbescheinigung wünschen und uns noch keine Adresse gegeben haben, können Sie uns diese einfach per Mail zukommen lassen: info@women-in-exile.net

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