{"id":4296,"date":"2018-07-05T13:12:49","date_gmt":"2018-07-05T11:12:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.women-in-exile.net\/?p=4296"},"modified":"2023-12-30T13:58:32","modified_gmt":"2023-12-30T12:58:32","slug":"wer-schweigt-wer-redet-wer-wird-gesehen-wer-wird-gehort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.women-in-exile.net\/en\/netzwerk\/wer-schweigt-wer-redet-wer-wird-gesehen-wer-wird-gehort\/","title":{"rendered":"Wer schweigt, wer redet? Wer wird gesehen, wer wird geh\u00f6rt?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.women-in-exile.net\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/PM-Refugee-community-Zei\u00dfstra\u00dfe-camp2-1.pdf\">Pressemitteilung<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4304\" src=\"https:\/\/www.women-in-exile.net\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/PM_REGENSBURG.png\" alt=\"\" width=\"541\" height=\"296\" \/><\/p>\n<p><strong>Am 2. Juli 2018 stattete der Bayerische Staatsminister des Innern und gegen Integration Joachim <\/strong><strong>Herrmann unserem Camp einen Besuch ab. Jedoch: Mit uns sprach niemand. Spontaner Sitzprotest <\/strong><strong>gegen rassistische Ignoranz folgte.<\/strong><\/p>\n<p>Regensburg. Nach dem Besuch der Erstaufnahmeeinrichtung in der ehemaligen Bajuwarenkaserne kam Minister Herrmann in unser Camp, welches die mit Stacheldraht umz\u00e4unte fr\u00fchere Pionierkaserne in der Zei\u00dfstra\u00dfe ist. Deutschen ist unser Camp bekannt als \u201eTransitzentrum\u201c, manche nennen es auch \u201eAbschiebelager\u201c, da regelm\u00e4\u00dfig Gefl\u00fcchtete mit Gewalt von hier fortgebracht werden. Bald wird es wieder einmal umbenannt: in \u201eAnKER-Zentrum\u201c.<\/p>\n<p>Die Lebensbedingungen in unserem Camp sind schlimmer als in anderen Gemeinschaftsunterk\u00fcnften. Die allt\u00e4gliche Zerm\u00fcrbung hat zahlreiche Facetten. Ohne auf die Details eingehen zu wollen, sagen wir nur so viel: Wer wissen m\u00f6chte, was hier vor sich geht, sollte es bereits wissen, denn die Zust\u00e4nde sind kein Geheimnis.<\/p>\n<p>Als Herrmann samt Entourage in zehn schwarzen BMW und Polizeibegleitung in den Hof des Camps fuhr, erwarteten wir ein Gespr\u00e4chsgesuch seinerseits, welches wir auf Augenh\u00f6he durchgef\u00fchrt h\u00e4tten. Allerdings hat er vergessen, dass wir die Bewohnenden des Camps sind, denn er hat vergessen, wer wir sind:<br \/>\nMenschen, nicht zu verwaltende Zahlen, die am Ende gegen Null gehen sollen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nHerrmann machte eine H\u00e4ndesch\u00fcttel-Runde durch das Camp und lie\u00df sich u.a. die Kinderbetreuung vorf\u00fchren, jedoch auch die riesige Halle, in der zahlreiche Gefl\u00fcchtete aus Moldawien zusammen leben m\u00fcssen \u2013 Schlafareale sind nur abgegrenzt durch nach oben offene Spanplatten (Fotos s. Anhang).<br \/>\nDer Bewohner Belay Legese* meint dazu: \u201eW\u00e4hrend seiner Runde begr\u00fc\u00dfte Minister Herrmann uns niemals, sondern unterhielt sich fortw\u00e4hrend mit dem deutschen Personal auf Deutsch \u00fcber uns. Wir haben trotzdem sehr gut verstanden, was vor sich ging.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Unerschrocken beendete Herrmann seine Sightseeing-Tour mit der Camp-Leitung im Hof. Die Polizei lie\u00df uns nicht zu ihm, um mit ihm zu reden. Als er wieder abreisen wollte, kam es zu einem spontanen Protest gegen seine rassistische Ignoranz: Ca. 40 Bewohnende unseres Camps setzten sich vor das Ausgangstor, um<br \/>\nein Gespr\u00e4ch mit ihm zu erwirken und unseren \u00c4rger lautstark kundzutun (Fotos s. Anhang). Manche von uns filmten, was vor sich ging. Das Securitypersonal versuchte, dies mit Gewalt zu unterbinden und Handys zu entrei\u00dfen, allerdings gelang es uns, uns gegenseitig zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Nach einer knappen Viertelstunde hatte die Camp-Leitung und die Security ein anderes \u2013 sonst nicht genutztes \u2013 Tor im hinteren Bereich des Hofs ge\u00f6ffnet, sodass Herrmann der peinlichen Konfrontation buchst\u00e4blich durch die Hintert\u00fcr entfliehen konnte.<\/p>\n<p>Wir bitten die Presse um ausgewogene Berichterstattung. In keinem Artikel \u00fcber den Besuch Herrmanns wurden unsere Handlungen oder Meinungen geschildert. Wir fordern die Schlie\u00dfung der unmenschlichen AnKER-Zentren und eine Umverteilung in dezentrale Unterk\u00fcnfte sowie eine Perspektive in Deutschland mit der M\u00f6glichkeit, zu arbeiten und uns zu bilden. Das R\u00fcck\u00fcbernahmeabkommen mit dem diktatorischen Regime in \u00c4thiopien muss zur\u00fcckgenommen werden. Ebenso verurteilen wir die Dublin-Abschiebungen,<br \/>\nwegen derer wir nachts nicht schlafen k\u00f6nnen. Wir kamen nach Deutschland, um Schutz zu suchen, doch unser Leben ist fortw\u00e4hrend in Gefahr.<\/p>\n<p>Vielen Dank im Voraus,<\/p>\n<p>die \u201eRefugee community in Zei\u00dfstra\u00dfe camp\u201c in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk \u201eNo Deportation<br \/>\nNowhere\u201c am 3. Juli 2018<\/p>\n<p>\u00dcbersetzung erfolgte durch das Netzwerk \u201eNo Deportation Nowhere\u201c.<\/p>\n<p>Presseanfragen auf Deutsch oder Englisch an Gefl\u00fcchtete bitte via Email an das Netzwerk, danach erfolgt Vermittlung:<br \/>\nnodeportation.nowhere@autistici.org<br \/>\n*Name ge\u00e4ndert<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pressemitteilung Am 2. Juli 2018 stattete der Bayerische Staatsminister des Innern und gegen Integration Joachim Herrmann unserem Camp einen Besuch ab. Jedoch: Mit uns sprach niemand. Spontaner Sitzprotest gegen rassistische Ignoranz folgte. 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