{"id":4592,"date":"2018-11-29T12:33:41","date_gmt":"2018-11-29T11:33:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.women-in-exile.net\/?p=4592"},"modified":"2023-12-30T13:58:32","modified_gmt":"2023-12-30T12:58:32","slug":"pressemitteilung-anlasslich-des-internationalen-tages-gegen-gewalt-an-frauen-am-25-11-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.women-in-exile.net\/en\/allgemein\/pressemitteilung-anlasslich-des-internationalen-tages-gegen-gewalt-an-frauen-am-25-11-2018\/","title":{"rendered":"PM anl\u00e4sslich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25.11.2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4021 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.women-in-exile.net\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/pressRelease.jpeg\" alt=\"\" width=\"140\" height=\"99\" \/><\/p>\n<p><strong>Strukturelle Gewalt und Gewalt gegen gefl\u00fcchtete Frauen durch Polizeibeamte*innen<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber 40% der Asylbewerber*innen in Deutschland sind laut Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (BAMF) weiblich. Gefl\u00fcchtete Frauen erfahren geschlechtsspezifische Gewalt nicht nur auf der Flucht, sondern auch in Deutschland. Bei Abschiebungen geht k\u00f6rperliche Gewalt nicht selten von Polizeibeamt*innen aus. Sie ist aber auch struktureller Natur, bedingt durch die Unterbringung in Massenunterk\u00fcnften.<\/p>\n<p><strong>Fl\u00fcchtlingsfrauen erleben tagt\u00e4glich strukturelle Gewalt<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nFrauen werden durch ein Leben in Sammelunterk\u00fcnften mit vorgefertigtem Essen oder Gutscheinen entw\u00fcrdigt und entm\u00fcndigt. Jede Krankenbehandlung f\u00fcr sich selbst oder f\u00fcr die Kinder muss beim Sozialamt erbettelt werden. Arbeitsverbote und fehlende M\u00f6glichkeiten Deutsch zu lernen grenzen asylsuchende Frauen aus und fesseln sie ans Haus. Viele Fl\u00fcchtlingsfrauen m\u00fcssen t\u00e4glich ihre Abschiebung bef\u00fcrchten, werden wie St\u00fcckgut durch ganz Europa hin und her geschickt und k\u00f6nnen sich nie sicher f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Die BAMF-Schutzquoten in Brandenburg liegen 10-15% unter dem Bundesdurchschnitt[1]. Das bedeutet, dass das Risiko einer Abschiebung hier h\u00f6her ist als in anderen Bundesl\u00e4ndern. Abschiebungen werden\u00a0 meistens zwischen 3 und 5 Uhr morgens durchgef\u00fchrt und laufen h\u00e4ufig gewaltsam ab. Medien berichteten im vergangenen Jahr immer wieder von der Anwendung von massiver Gewalt bei Abschiebeversuchen im gesamten Bundesgebiet:<\/p>\n<p>1. Aussage eines Mitglieds von Women in Exile, die hochschwanger nach einem Abschiebeversuch im Krankenhaus behandelt werden musste:[2]<br \/>\n&#8220;Im Februar 2018 um 3 Uhr morgens h\u00f6rte ich jemanden klopfen und versuchen, mein Zimmer im Lager zu \u00f6ffnen. Ich wachte auf, ging zur T\u00fcr und fragte, wer an der T\u00fcr sei. Die Person h\u00f6rte auf, den Schl\u00fcssel zu benutzen und sagte, es sei die Polizei. &#8216;\u00d6ffne die T\u00fcr!&#8217; Ich \u00f6ffnete die T\u00fcr und fand zehn Polizisten (eine von ihnen war eine Frau) und einen Hund vor meiner T\u00fcr. Sie sagten, sie seien gekommen, um mich nach Italien abzuschieben und ich sollte anfangen, meine Sachen zu packen.&#8221;<br \/>\nDiese Bel\u00e4stigung und traumatisierende Aktion musste sie erleben, obwohl der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde\u00a0 die Vaterschaftsunterlagen des deutschen Vaters bereits vorlagen. Diese hatte es jedoch vers\u00e4umt, die Information an die Polizei weiterzuleiten. Im Anschluss an die versuchte Abschiebung musste die Frau ins Krankenhaus gebracht werden, wo sie mit Antidepressiva behandelt wurde.<\/p>\n<p>2. Versuchte Abschiebung aus dem Krankenhaus bei einer\u00a0 Risikoschwangerschaft<br \/>\nSelbst in absolut vulnerablen Situationen, wie im Krankenhaus, sind die Frauen nicht mehr vor Abschiebung sicher. So sollte im Mai eine Nigerianerin, die wegen einer Risikoschwangerschaft in Arnstadt im Krankenhaus lag, abgeschoben werden[3]. Auch im Oktober wurde trotz vorgeburtlicher Vaterschaftsanerkennung, der werdende Vater aus dem Kreissaal versucht abzuschieben[4].<br \/>\nDank dem medizinischen Personal konnten beide Abschiebungen verhindert werden, doch aus einem potentiell freudigem Ereignis wurde eine traumatische Erinnerung.<\/p>\n<p>3. Der Berliner Fl\u00fcchtlingsrat dokumentierte die massive Gewaltanwendung u.a. an Frauen und im Beisein von Kindern bei einer Sammelabschiebung nach Madrid im Juni 2018:[5]<br \/>\n\u201cEine Frau mit mehreren Kleinkindern wurde ohne ihren Ehemann abgeschoben. Weil sie laut schrie und nach ihrem Mann rief, wurde sie gefesselt ins Flugzeug getragen. Ihre kleinen Kinder mussten dies mit ansehen und weinten laut. &#8230; Eine Frau wurde von Beamtinnen der Bundespolizei vor dem Abflug gewaltsam bis auf die Unterhose entkleidet und durchsucht. Durch Schl\u00e4ge auf die Schulter erlitt sie ein gro\u00dfes H\u00e4matom, das ihr noch tagelang Schmerzen bereitete.\u201d<\/p>\n<p>Diese sind einige wenige dokumentierte F\u00e4lle, in denen die Frauen den Mut und die M\u00f6glichkeit hatten, dar\u00fcber zu sprechen. Viele sprechen nicht \u00fcber die Brutalit\u00e4t und Gewalt der Polizei. Denn wenn die Abschiebung verhindert werden konnte, haben sie Angst vor weiteren Abschiebungsversuchen und wenn sie erfolgreich war, sind sie nicht mehr vor Ort, um die erfahrene Gewaltanwendung anzuzeigen.<\/p>\n<p><strong>Women in Exile fordert die Gewalt gegen Frauen durch die von der Polizei durchgef\u00fchrten Abschiebungen zu beenden. Abschiebungen verursachen langfristige Depressionen und Traumata f\u00fcr gefl\u00fcchtete Frauen und Kinder. Stattdessen m\u00fcssen Spielr\u00e4ume im Aufenthaltsrecht genutzt werden, um Frauen eine Perspektive zu geben.<\/strong><\/p>\n<p>Pressekontakt: Elizabeth Ngari:\u00a0 015210291003\u00a0 info@women-in-exile.net<\/p>\n<p>1 https:\/\/www.taz.de\/!5508993\/<\/p>\n<p>2 www.women-in-exile.net\/abschiebung-warum-kommen-sie-um-uns-mitten-in-der-nacht-abzuholen\/<\/p>\n<p>3 http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1087860.debatte-um-bleiberecht-von-gefluechteten-thueringer-polizei-wollte-schwangere-abschieben.html<\/p>\n<p>4 www.haz.de\/Nachrichten\/Panorama\/Uebersicht\/Abschiebung-waehrend-der-Geburt-Polizei-holt-Vater-aus-Kreisssaal<br \/>\n5 http:\/\/fluechtlingsrat-berlin.de\/presseerklaerung\/horror-sammelabschiebung-unter-federfuehrung-berlins\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Strukturelle Gewalt und Gewalt gegen gefl\u00fcchtete Frauen durch Polizeibeamte*innen \u00dcber 40% der Asylbewerber*innen in Deutschland sind laut Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (BAMF) weiblich. 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