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Gesundheitstribunal – Zeugnisse über und Anklagen gegen Lager

Newsletter #16

Wir (Women in Exile and Friends) sind Teil einiger Gruppen und Einzelpersonen, die sich zusammengefunden haben, um eine öffentliche Anhörung im Rahmen des “Permanent Peoples´ Tribunal” zu planen, das 1980 in Bologna eingerichtet wurde.*1
Unser Focus liegt auf Gesundheit(Auswirkungen) und dem Ansatz, aus
Gesundheitsperspektive auf das Thema Menschenrechtsverletzungen zu schauen. Gesundheit ist etwas, mit dem jeder etwas verbindet.

Durch unser Bündnis wollen wir als Flüchtlings-Selbstorganisationen und Solidaritäts- Gruppen gemeinsam kämpfen. Die verschiedenen Gruppen arbeiten mit Flüchtlingen und Migrantinnen auf professioneller und/oder aktivistischer Ebene, wie z.B. IPNNW, Boderline Europe, Medibüro, Respect, International Women Space und Ärztinnen. Unsere öffentliche Anhörung wird wahrscheinlich Anfang 2020 stattfinden und wird die Diskriminierung im Gesundheitsbereich in Deutschland anprangern. Während des Tribunals wollen wir durch Zeuginnenberichte und Anklagereden aufzeigen, wie in Deutschland Gesundheitsprobleme mit den sozialen und politischen Bereich verflochten sind.

Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, müssen den erniedrigenden Prozess des Fingerabdrücke Nehmens durchstehen. Zweck dieses Prozederes ist, sie zu kriminalisieren und einzuteilen in erwünschte und unerwünschte Flüchtlinge. Für die, die den Tod im Mittelmeer überlebt haben und sich glücklich schätzen können, in Deutschland angekommen zu sein: Die neuen Gesetze bedeuten, dass sie sofort im Knast landen, da sie die die Dublin-Verordnung und andere Gesetze missachtet hätten, die nur existieren, um Flüchtlinge davon abzuhalten, nach Europa zu kommen. Die anderen werden in Lagern oder “Anker-Zentren” untergebracht, isoliert von der Gesellschaft und warten auf ihr Schicksal. Dieser schwierige Prozess resultiert in Depressionen und Traumata.

Es betrifft generell alle Prozesse, die Flüchtende erleben: Traumatisierung gibt es schon genug ab dem Moment, in dem sie entscheiden, ihre Heimat zu verlassen bis zur Ankunft in Deutschland. Das Leben im Lager, Polizeigewalt, Abschiebung, Rassismus und andere Vorkommnisse sind Katalysatoren für Re-Traumatisierung. Leider trägt auch das Gesundheitssystem selbst oft dazu bei: Viele Frauen beschweren sich, dass sie beispielsweise vor einer Operation keine ausreichenden Informationen bekamen. Diese Traumata führen zu Depression und Suizid von Geflüchteten.

Durch die Diskussionen und Workshops innerhalb unseres Gesundheitsprojekts wissen wir, dass viele Frauen* Gesundheitsprobleme nicht etwa vor der Flucht hatten, sondern nach ihrer Ankunft in Deutschland. Einige der Frauen haben zahlreiche kleine Operationen hinter sich, die immer wieder nötig sind und haben nun Angst, dass sie zu größeren gesundheitlichen Problemen führen kann, inklusive reproduktiver Gesundheit. Hierzu trägt der drittklassige Zugang zum
Gesundheitssystem zu, der viel Bürokratie erfordert, bis sie spezialisierte
Behandlungen bekommen.

Das Peoples Permanent Tribunal (PPT) ist eine gute Möglichkeit für die verbündeten Organisationen, die im Bereich Gesundheit von Flüchtlingen, Illegalisierten und Migrantinnen arbeiten, die entsprechenden Behörden anzuklagen. Dieses Tribunal wird auf der Erfahrung der letzten drei Jahre aufbauen, in denen in verschiedenen Ländern solche Anhörungen mit Flüchtlingen und Migrantinnen stattgefunden haben.

*1 http://permanentpeoplestribunal.org/lang=en

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